GISELA VON WYSOCKI


Der Gedanke ist mir niemals gekommen, dass der Zauberer auch schlechte Tage haben kann.

   
Sterne sind aus Plasma und Gas gemacht. Der Vater muss es wissen, ein weit über Salzburg hinaus bekannter Astrophysiker. Hanna Werbezirk hält sie trotzdem für ewig. Und hat wenig Lust, ihm als Assistentin in seinem astronomischen Labor zu dienen. Im Nachtstudio hört sie heimlich die Vortragsfolge eines Autors, dessen Name sie sich merken wird. Wiesengrund. Er könnte hilfreich sein, für sie die Frage nach der Beschaffenheit der Sterne zu klären. Seine Worte, wendig und wandlungsfähig, eröffnen ihr den Blick in eine Welt mit eigenen Gesetzen. Das Gefühl einer Komplizenschaft mit dem radiophonen Mitternachtsbesucher macht aus der Lektüre seiner Schriften ein von Herzklopfen begleitetes Ereignis.
Als Studentin der Philosophie reist Hanna einige Jahre später nach Frankfurt am Main, um Wiesengrund in natura zu erleben – und gerät in gänzlich neue Sphären. Die politischen Turbulenzen der Zeit wirken auch in ihre neuen Lebensverhältnisse hinein.
Vor allem aber steht sie jenem magischen Feld gegenüber, das sie selbst um den hazardeurhaften Denker errichtet hat.

Pressestimmen

Diese sehr spezifische Mischung aus Nähe und Ferne ist bei Wysocki glänzend gesehen, erinnert und geschildert und bringt Vignetten von einer derartigen physiognomischen Prägnanz hervor, dass man sie nicht mehr vergessen kann. (Stephan Wackwitz,taz)

Das hat sich seit Thomas Mann keiner mehr getraut: Adorno bei seinem ersten Nachnamen Wiesengrund zu nennen. Mit dem, was Gisela von Wysocki spitzzüngig dessen "rigoroses Callas-Monopol“ nennt, entfaltet der kleine Herr mit den dunklen Teddy-Augen eine so blitzgescheite, verknüpfungskompetent in Beziehungszaubern schwelgende Beredsamkeit, dass der jungen Dame Hören und Sehen vergeht.....Eine Verbeugung, die mit dem Mittel der Entzauberung arbeitet, um einen tieferen Zauber freizulegen. (DIE WELT, Tilman Krause)

Denn darum geht es in Wiesengrund: um eine große Verzauberung. Hannas Erfahrung, so einsam sie daherkommt, ist eine kollektive. Was von diesem Wiesengrund bleibt, ist ein Projekt, dem Geist jener Zeit entsprungen, gerettet ins Heute: „Ein Feuer, das wie eine magnetische Überladung dazu zwingt, Wirklichkeit unentwegt neu zusammenzusetzen.“ (Michael Angele, Der Freitag)

Das ganze Buch leuchtet voller Geisteserotik. Doch wahrt Wysocki, mit spürbarer Scheu vor Aufdringlichkeit und gar Indiskretion, jene Distanz, die Botho Strauß einmal „unüberwindliche Nähe“ genannt hat. Zudem ist ihre Hanna eine Person mit eigenem Witz. (Peter von Becker, Der Tagesspiegel)

Die Autorin demonstriert in vierunddreissig miniaturhaften, zu Kraftfeldern aufgeladenen Textstücken das, was der junge Adorno «exakte Phantasie» genannt hat. Höchst subjektive, autobiografisch eingefärbte Erfahrungen und verdichtete Zeitgenossenschaft fliessen ineinander mit Fiktionen, die überzeugen, weil sie die Regel der Wahrhaftigkeit beherzigen. (Stefan Müller-Doohm, Neue Zürcher Zeitung)

"Eine geistesblitzige, feuerwerkende Selbst- und Fremderkundung des Faszinosums Adorno und seiner stummen Zuhörerschaft über vier Stockwerke.“ (beha, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

Ein Roman über die Erotik des Intellektuellen, des Denkens. Eine Angelegenheit, über die man eigentlich nur schwer sprechen kann. Gisela von Wysocki aber hat eine sinnliche, witzige Geschichte geschrieben, durch die hindurch man das abgründige Denken des Theodor W. Adorno noch spürt. (Marie Schmidt, Die Zeit)

Ein bemerkenswerter Roman, der uns einen Philosophen näherbringt, den man zu kennen meinte, so jedoch noch nicht wahrgenommen hat. Irritationen, die zu flirrenden Denkanstößen werden. (Otto A. Böhmer, Frankfurter Rundschau)

Szenen, die den den Glutkern von Wiesengrunds Denk- und Lebensstil blitzlichtartig aufleuchten lassen. So ist dieser Roman ein Teleskop, mit dessen Hilfe wir sehen können, dass der Stern Wiesengrund zwar viele Lichtjahre von uns entfernt ist, dass sein Licht aber nicht aufgehört hat, uns zu erreichen, wenn wir es denn wollen. (Erik Gutendorf, Junge Welt)

Selten ist die die intellektuelle Aura eines Milieus und seines Zentralgestirns so funkelnd klug, ironisch und zugewandt beschrieben worden: Es geht um den Glanz eines Idols, dessen Umrisse weder verkleinert, noch vergrößert werden. Die Konturen flimmern, genau so, wie es sich für ein Idol gehört. (Jutta Person, Philosophie Magazin)

"Faßbar wird das Unerhörte dieses Philosophierens auf dem fragilen Fundament der von den NS-Untaten versehrten Nachkriegszeit. Begreifbar seine Explosivität: der Tumult der Demontagen, der Umsturz von Weltbildern. Die wegweisende Essayistin Wysocki beschreibt die Musikalität, die "polyphone Power", mit der nach dem Fall Europas die "freigesetzten Motive durch Wiesengrund neuartig instrumentiert und thematisch durchgeführt werden". (Sigrid Löffler, Stimmen der Zeit. Heft 12, Dezember 2016)

Das "physiognomische Denken" Adornos, das hier zum Ausdruck kommt, berührt den Kern seiner Philosophie. Gisela von Wysocki fährt kein schweres Geschütz auf, sie spricht vom Leiden eines Menschen – und trifft damit genau den zentralen Impuls, dem dieses Denken folgt. Sie sieht die Pein, die ihr widerfährt, ebenso wie die Angriffsflächen, die der Philosoph bietet. (Martin Lüdke, DLF "Das Buch der Woche")

"Eine sehr gegenwärtige Prosa. Man kann die Ebene dieser Sprache ganz schwer fassen, genau daraus aber entsteht eine große Anziehungskraft." (SWR-Bestenliste im Gespräch, SWR2, Dezember 2016)

"Der Roman ist in einer hochartistischen, charakteristischen Tonlage geschrieben, mit einer beschwingten Selbstironie, die der Faszination durch den großen Professor zu begegnen versucht." (Helmut Böttiger, DLR)

Veranstaltungen

28.06.2017  Leuphania Universität Lüneburg . Eröffnungsvortrag der Tagung:

                       Im Vorraum des Denkens. Praktiken und Lebenswelten kritischer Theorie


10.04.2017  Taunus Art Club, Bad Soden. Lesung

06.04.2017  Literaturhaus Frankfurt a. M.. Lesung und Gespräch mit Verena Auffermann


05.04.2017  Filmhaus, Saarbrücken. Lesung


28.03.2017  Verleihung des Heinrich-Mann- Preises

                       Gebäude der Akademie der Künste am Pariser Platz


22.03.2017  Haus der Niederlande, Münster. Lesung und Gespräch mit Hermann Wallmann

21.03.2017  Karl-Jaspers-Haus, Oldenburg.
Lesung und Gespräch mit
                       Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm und Prof. Dr. Matthias Bormuth

22.02.2017  Literaturforum im Brecht-Haus, Berlin.
                       Lesung und Gespräch mit Sebastian Kleinschmidt

14.02.2017  Buchhandlung Mertiny. Berlin

08.02.2017  Tertianum Residenz. Berlin

06.12.2016  Literarisches Quartier (Alte Schmiede), Wien.
                       Lesung und Gespräch mit Isabella Pohl (Der Standard)     


15.11.2016  Autorenbuchhandlung Berlin. Lesung und Gespräch mit Verena Auffermann

20.10.2016  Frankfurter Buchmesse. Gespräch mit Susanne Mayer (DIE ZEIT)

19.10.2016  LITERATUR IM RÖMER. Frankfurt am Main. Lesung und Gespräch mit Sigrid Löffler

22.09.2016  Literaturhaus Berlin. Lesung und Gespräch mit Sigrid Löffler

21.09.2016  Katholische Akademie, Berlin.
                       Lesung und Gespräch mit Lothar Müller (Südd. Zeitg.)

14.09.2016  DLF Lesung und Gespräch mit Hubert Winkels 

07.09.2016  DLF Lesung und Gespräch mit Hubert Winkels