Gisela von Wysocki

AUF SCHWARZMÄRKTEN

Prosagedichte

Der Hafen. Algeciras.

Von hier aus setzen die Schiffe über. Ein Ort, flachgetreten, weggeworfen und hinter sich gelassen. Die Zivilisation verliert den Kopf, die Natur, schön verwüstet, stapelt Geranien und schwarze Mitternachten. Afrika schickt Vögel herüber und legt Staub auf die Treppen.

Die Kellner haben von den Gästen gelernt. Die Bewegungen des Weitergehens und den Gebrauch von wasserfesten Armbandunhren. Für die Männer ist gesorgt. Der weibliche Körper ist überfüttert und bildet einen Mutterschoß. Man ist hier von Natur aus hässlich oder schön, auch die Reichen haben keine größere Auswahl.

Ich beeile mich an den Türen der Barbiere. Ihre Tangoschädel haben keine Menschengestalt. Nachts schlafe ich schlecht, weil das Meer nicht aufhört, gigantisch zu sein.

Pressestimmen

Man ist gefangen von dem Reiz einer voyeuristischen Verschwörung. Die Klischees räumen den Platz für die Originale. (Ludmilla Vuh, Pflasterstrand)

Die Sprache wird zum Kameraauge, unter deren Blick das Leben totenähnlich erstarrt. Eine Montage der messerscharfen Schnitte. Frankfurt, Berlin, Wien, Südfrankreich, Spanien, Nordafrika sind die Schauplätze. Gisela von Wysocki schreibt hier vom „Rande der Wörter aus“, wie es einmal heißt. Sie trampt mit der Sprache durch Träume und Alpträume, schlendert über die Schwarzmärkte. „Etwas ist auf dem Weg. Ich sage nicht, es ist schon da.“ (Uwe Schweikert, Frankfurter Rundschau)

Eine Sprache wie ein nervöses Herz, die immer auch den Absturz riskiert. Es folgt nun ein gewagter Vergleich, aber die Sprache der Wysocki und die Stimme der Callas sind für mich von der gleichen dialektischen Poesie: Sie zeichnen sich durch eine messerscharfe Präzision aus, die gleichzeitig das Gefühl chaotischer Leidenschaftlichkeit vermittelt. (Barbara Freier, Süddeutsche Zeitung)

Gedichte, die sich auf Ränder und Risse richten. „Lieber in Trümmern leben, als in Träumen“, heißt es einmal. Diese Bilder erzeugen Fremdheit. Wie leichtsinnig, in ihre Labyrinthe einzudringen! Bilder von Welträndern, von stockender Bewegung. Das Unzeitige in ihnen birgt Spannung. (Christoph Neidhart, Basler Zeitung)