Gisela von Wysocki

Wir machen Musik

Roman


Das ganze Theater mit dem Unkalkulierbaren fing mit der Pferdebahn an. Da ging es los; der Zirkus mit der Schallplatte, meine Kindheit mit ihrem ganzen Trara oder, wie der Vater es ausgedrückt hätte, das Leben mit seinem Pipapo.

Aus: WIR MACHEN MUSIK. Geschichte einer Suggestion

Erster Platz der Südwestfunkbestenliste, Dezember 2010

Literaturpreis der Stadt Düsseldorf, Juni 2011 

Nominiert für den „Preis der SWR-Bestenliste 2011“  


Der Vater, ein Pionier der frühen Schellack-Kultur, holt in den zwanziger und dreißiger Jahren die Tanz- und Varietéorchester Berlins ins ODEON-Aufnahmestudio. Später, in der Nachkriegszeit, bringt er regelmäßig eine neue schwarze Scheibe mit, aus der zum Schrecken der Tochter laute Musik ertönt. Ein Zauberer scheint hier am Werk zu sein, der ganze Orchester in das winzige Format der Schallplatte hineinzwängen kann. Erzählt wird die szenen-reiche Geschichte einer éducation musicale: die Reise eines Kindes aus mu-sikalischem Haus, einer vom Mysterium der Technik und der Welt der Musik verzauberten „Alice in Wonderland“ aus der Mark Brandenburg. Im Zentrum deutscher Geschichte.

Pressestimmen

Eine absolute Ausnahme, niedergeschrieben mit präziser Fantasie, mit großem und tropfenweise injiziertem Witz. Eine hinreißende Familienstory der Nachkriegszeit, aus dem in Trümmern liegenden Berlin. Nichts wird ausgeleiert und selbstgefällig erzählt. In jedem Satz stecken Maß und Essenz. Zeit und Zellen einer Lebensgeschichte, erzählt mit dem sprühenden Elan einer Autorin, die viel vom Tragischen weiß und die entlastende Funktion der Komik kennt. (Verena Auffermann, DIE ZEIT)

In den Klängen, die von der Kinderzeit herüberwehen, schwingt bereits beides mit: Untiefe und Abgrund. Es ist eine raffiniert reflektierende Komposition von 64 Kapiteln, die als kurze Prosa-Szenen miteinander verfugt und zugleich gegeneinander geschnitten sind. Gisela von Wysockis dichtes Buch erinnert in seinen schönsten Passagen an Walter Benjamins „Berliner Kindheit“. (Peter von Becker, DER TAGESSPIEGEL)

Die Präzision, mit der sie ihre Ich-Erzählerin berichten lässt, verwandelt das Biografische in eine feingesponnene Literatur. Wie im Zoom rücken die Szenen nah heran, werden gefühlte Gegenwart. (Judith von Sternburg, FRANKFURTER RUNDSCHAU)

Die Fragen des Kindes werden ausgelöst durch das unerklärte Verschwinden von Künstlern. Wieso ist Richard Tauber, einer der besten Freunde des Vaters, nicht mehr in Berlin, sondern in England? Wieso ist er in London gestorben? Gisela von Wysocki gelingt es, das „Dritte Reich“ als akustisches Phänomen zu beschreiben. Die Geschichte einer Faszination für die magische Welt der Schallplatten. Anmutig, schwerelos. (Sigrid Löffler, Kulturradio rbb)

Gisela von Wysocki erzählt meisterhaft witzig die Momente eines Lebens, in dem sich die Bedeutungen stauten. Sie packt die Musik in ihren Text – er singt und schreit und spielt und reißt die Leser einfach mit. Lautes Lachen ist eigene Begleitmusik der Lektüre. (Christina Weiss, LITERATUREN)

Für die gespensterhaften Verbindungen zwischen den Menschen und den Dingen hat Gisela von Wysocki ein untrügliches Gespür. So traumscharf hat noch kaum jemand vom Aufsetzen der Nadel auf die schwarzen Rillen erzählt. (Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung)

WIR MACHEN MUSIK ist die Geschichte einer kulturellen Emanzipation und ein Sprachkunstwerk. Die Stimme der kleinen Ich-Erzählerin vermischt sich mit jener ihres erwachsenen Alter Ego zu einem wunderbar klaren, analytischen und eleganten Erzählton. (Isabella Pohl, DER STANDARD, Wien)

Die kurzen Kapitel bilden Erlebnisinseln von großer Eindringlichkeit. In die Szenen des kindlichen Erschreckens fällt immer wieder eine illusionslose, knappe und zupackende Stimme ein. So springt die Essayistin dem Kind bei und tritt dem Zauber mit Gegenzauber entgegen. (Jörg Plath, arte-tv)

Wie gut, daß sich Gisela von Wysocki den Blick für die Welt des Elternhauses bewahrt hat. Uns würde sonst eine der originellsten neueren Autobiographien fehlen. Ein Facettenreichtum von Tönen, analysierend, fasziniert, entzaubernd, ironisch und selbstironisch…, vorangetrieben von einer erzählerischen Verve, die einsteht für Lesevergnügen. (Walter Hinck, Frankfurter Allgemeine)

Lesungen

02.03.2013  Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (Leipzig).
Moderation: Rotraut De Clerk

07.11.2012  Katholische Akademie (Berlin).
Im Gespräch mit Joachim Hake (Kath. A.) und Lothar Müller (SZ)

22.05.2012  Literaturforum, Frankfurt. Moderation: Harry Oberländer

28.09.2011  Düsseldorf („Preisgekrönt! 10 Jahre Düsseldorfer Literaturpreis“)

28.08.2011  Mainz (nominiert für den „Preis der SWR-Bestenliste 2011“)

19.07.2011  Münster (Literaturverein). Moderation: Hermann Wallmann

21.06.2011  Salzburger Literaturhaus.  Moderation: Christa Gürtler

16.06.2011  „Lübecker Nacht“. Moderation: Adam Soboczynski

08.06.2011  Heine-Gesamtschule, Düsseldorf

08.06.2011  Heine-Haus, Düsseldorf. Moderation: Verena Auffermann

27.05.2011  „Center for World Music“, Universität Hildesheim

19.03.2011  Buchhandlung „Zweitausendeins“, Leipzig (Leipziger Buchmesse)

13.03.2011  Haus der Begegnung, Groß Glienicke. Moderation: Winfried Sträter

04.03.2011  Buchhandlung am Bayrischen Platz, Berlin

22.02.2011  Literarisches Forum im Brechthaus, Berlin. Moderation: Sigrid Löffler

17.02.2011  Hamburger Literaturhaus. Moderation: Ursula Keller

08.02.2011  Alte Schmiede, Wien. Moderation: Isabella Pohl (Der Standard)

27.01.2011  Buchhandlung Ferlemann und Schatzer, Berlin

06.01.2011  Buchhändlerkeller, Berlin

09.12.2010  Berliner Literaturhaus. Moderation: Verena Auffermann

28.08.2010  Literarisches Colloquium, Berlin