Gisela von Wysocki

DER HINGESTRECKTE SOMMER

Prosa

Es gibt Geschichten, die sich als Fundstücke erweisen. Unbemerkt, gewissermaßen undercover, setzen sie sich im Gedächtnis fest. Oder es trifft uns ihre Strahlkraft von außen wie ein Blitzschlag. Auf einmal treten sie uns aus nächster Nähe vor das Auge, werden aufrüttelnde, irritierende Gegenwart. „Vitrinen“, „Die ruhelosen Wörter“, „Menschen und Blitze“ und „Écrit d’après la nature“, so heißen die vier Abschnitte des Buches. Ein Kind lernt das Lesen und sieht seinen Hund in ein jämmerliches Buchstabenbündel verwandelt. Marlene Dietrichs Nachlaß stellt sich als überraschend befremdlich heraus. Ein Meeresschwimmbecken wird für eine am frühen Morgen dort Badende zu einem spukhaften Schauplatz, dabei ist das unbekannte Tier, das auf dem weit entfernten Beckenrand sichtbar wird, von kaum erkennbarer Kleinwüchsigkeit. Alles dies lebt, hat seine Wirklichkeit, greift über auf uns, die wir nach Worten suchen.